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Ausführliche Infos zum Ablauf

Da in letzter Zeit überall hitzig diskutiert wird, wie eine adäquate AD(H)S-Diagnostik abzulaufen hat und es von Interessierten typischerweise viele Fragen gibt, wollen wir zum Ablauf bei uns so transparent wie nur möglich sein – und beantworten gern auch weitere Fragen vorab.

Grundsätzlich sollte fundierte Testdiagnostik den ADHS Leitlinien entsprechen. Hierzu muss jedoch betont werden, dass diese (zuletzt aktualisiert Mitte 2018) als „abgelaufen“ gelten und überarbeitet werden, da ein Großteil des darunterliegenden Wissens inzwischen als „überholt“ eingeschätzt werden muss.

Zusammengefasst sollte ausführliche und fundierte Testdiagnostik sowohl aus Fremdeinschätzung, Selbsteinschätzung, Zeugnissichtung, Intelligenzscreening, Konzentrationstests und Funktionsniveautests bestehen. Grundsätzlich lassen sich diese Daten noch differentialdiagnostisch ergänzen durch PTBS-Abklärung und Autismus-Screening sowie Persönlichkeitsdiagnostik (insbesondere emotional instabiler Typ und Narzissmus), was jedoch unserer langjährigen Erfahrung nach die Aussagekraft der letztendlichen Diagnose nicht wesentlich untermauern kann, ob nun ein AD(H)S vorliegt oder nicht (entsprechend des ökonomischen Prinzips).

Wir führen zu Beginn ein sehr individuelles und bis zu 2,5 stündiges biographisches Interview durch, in welchem eine AD(H)S spezifische Anamnese erstellt wird, die idealerweise durch ein Familienmitglied (Eltern, Geschwister o.ä.) ergänzt wird – telefonisch oder vor Ort.

Zum Ende ergänzen bzw. validieren wir die Ergebnisse durch das sog. strukturierte DIVA Interview (5. Fassung), bei welchem idealerweise der/die Partner:in hinzugeschaltet wird, um v.a. die derzeitige Lebenssituation dediziert zu betrachten.

In der gesamten eintägigen Testsituation wird zudem eine professionelle Einschätzung durch unsere Behandler:innen hinsichtlich Ihrer Aufmerksamkeit/ Hyperaktivität und Impulsivität möglich, die ebenfalls in den sehr ausführlichen Bericht und die insgesamte Einschätzung der Symptome eingebracht wird.

Neben den renommierten Homburger AD(H)S Skalen für Erwachsene (HASE) haben wir uns entschlossen, ergänzend auch den Kölner AD(H)S Test für Erwachsene durchzuführen (KATE), da aufgrund unserer langjährigen Erfahrung dadurch die Validität (also die Aussagekraft) der Ergebnisse deutlich erhöht werden kann. Schließlich ist Ihre Interpretation der Testfragen ja maßgeblich für die Bewertung, weswegen wir die Fragen möglichst weit fächern. Zudem erreichen wir damit auch eine größere Normierung (also die Vergleichsgruppe mit der wir Ihre Daten statistisch abgleichen!).

Zunächst einmal stellt ein Screening keine vollwertige Intelligenzdiagnostik dar und dient nicht zur Erfassung des „berühmten IQ“ (Intelligenzquotient). Das von uns verwendete CFT-20-R stellt den internationalen Goldstandard dar, um abzuschätzen, ob die getestete Person ein durchschnittliches vs. über- oder unterdurchschnittliches Intelligenzniveau hat.

Unser Ziel ist es lediglich, einzuschätzen, ob schulische, berufliche oder allgemeine Lebensschwierigkeiten sich möglicherweise über das Intelligenzniveau abklären lassen. So zeigen auch überdurchschnittlich intelligente Menschen diverse schulische Probleme – beispielsweise aufgrund von Unterforderung und Langeweile – die dann durch ein möglicherweise zusätzlich bestehendes AD(H)S noch verstärkt werden.

Häufig haben insbesondere intelligente Kinder jedoch durchschnittliche bis sehr gute Schulleistungen aufgrund ihrer Intelligenz und fallen allein deswegen oft schon zu Beginn durch diverse „ADHS Schnelltests“ durch. Eine hohe Auffassungsgabe kann eine reduzierte Aufmerksamkeitsfähigkeit lange Zeit gut kompensieren, sodass diese Gruppe häufig erst sehr viel später an seine schulischen, universitären oder beruflichen Grenzen stößt.

Das Funktionsniveau erfassen wir – in Verbindung mit dem Intelligenzscreening – um einen Eindruck darüber zu erhalten, mit wie viel persönlichem bzw. seelischem Aufwand die zu diagnostizierende Person darum bemüht ist, ihre exekutiven bzw. allgemeinen Funktionen im Alltag (familiär/sozial, beruflich/schulisch/universitär) aufrecht zu erhalten. In Ergänzung mit der Biographie lassen sich hier erste konkrete Hinweise auf die Wahrscheinlichkeit möglicher Komorbiditäten (Depression, Angststörungen, Suchterkrankung u.ä.) und dysfunktionaler Copingstrategien ableiten.

Des Weiteren erhalten wir hier einen ersten konkreten Eindruck über den Schweregrad der (möglicherweise) vorliegenden Aufmerksamkeitsstörung.

Wir führen eine Kombination aus dem KVT-C sowie dem d2 durch. Beides sind „etwas in die Jahre gekommene“ Testverfahren, die jedoch zusammen genommen trotzdem eine fundierte Einschätzung über den Arbeitsstil ermöglichen. Insbesondere das Verhältnis von Arbeitsgeschwindigkeit und Fehlerrate ist hierbei von Bedeutung. So arbeiten u.a. Menschen mit AD(H)S häufig bewusst langsam, um weniger Fehler zu machen bzw. machen vermehrt Fehler, wenn sie zu schnell arbeiten.
Beeinflusst werden diese Ergebnisse meist vom Intelligenzniveau, was wir separat erfassen. In Zusammenschau mit allen anderen erfassten Daten – auch aus der Biographie – erhalten wir hier einen insgesamt sehr konkreten Eindruck vom Arbeitsverhalten (selbst wenn ein einzelner Tag nicht zwingend repräsentativ für ein ganzes Leben sein kann).

Zu einer fundierten Einschätzung, ob möglicherweise ein AD(H)S vorliegt, gehört auch die Sichtung der Zeugnisse – auch wenn die Aussagekraft oft sehr abhängig davon ist, ob die Anmerkungen tatsächlich individualisiert sind (vs. Textbausteine). Häufig lassen sich nur wenige tatsächliche Informationen bezüglich AD(H)S relevanter Symptomatik herauslesen, was vor allem zwei Faktoren geschuldet ist: einerseits gibt es mehrheitlich bereits sehr frühe Anpassungsstrategien (v.a. bei Mädchen), aus Angst davor, negativ aufzufallen und andererseits müssen Kinder schon extrem auffallen, um aus einer Klasse von bis zu 30 Schüler:innen derart hervorzustechen, um insbesondere Erwähnung in den Zeugnissen zu finden.

Dennoch lassen sich oft auch wertvolle Informationen in den Zeugnissen herauslesen, die eine mögliche Diagnose untermauern und häufig zu den im gesamten Testablauf (v.a. der Biographie) herauszustellenden Bewältigungsmechanismen passen.

Auch wir finden zusätzliche Informationen durch weitere Testverfahren (Autismusscreening, PTBS Screening, Persönlichkeitsdiagnostik) höchst spannend und wertvoll. Gleichzeitig ergibt sich in der Kombination oft keine – wesentliche! – Verbesserung der Genauigkeit bezüglich der AD(H)S Diagnostik selbst und würde den Rahmen sprengen.

Allein die tatsächliche Abklärung eines möglichen Asperger Autismus würde – korrekt durchgeführt – mehrere Termine erfordern. Unser Ziel ist und bleibt jedoch die vollständige Abklärung einer möglichen Aufmerksamkeitsstörung als Ursache der von Ihnen beschriebenen Probleme und Fragestellung.

Infolge haben wir uns entschieden, vor allem das Anamnese Gespräch sehr viel ausführlicher zu gestalten. Sollten sich im gesamten Testverlauf über den Tag Hinweise auf eine relevante Begleiterkrankung bzw. eine wirkliche Differentialdiagnose ergeben, werden wir diese konkret im abschließenden Befund zur weiteren Abklärung erwähnen: beispielsweise V.a. Asperger-Autismus-Störung.  

All das wird in einem sehr ausführlichen Abschlussbericht (ca. 15 Seiten) zusammengefasst, den Sie schriftlich und digital direkt am selben Tag, zusammen mit der Diagnose und ersten Behandlungsempfehlungen sowie – bei Bedarf – auch ersten Vorschlägen zur leitliniengerechten Medikation erhalten. Diesen Bericht erstellen die Behandler:innen parallel zur Durchführung über den gesamten Tag, um unnötige Wartezeiten zu reduzieren.  

Beginn ist 09:00 Uhr (seien Sie am besten schon früher da) – Ende voraussichtlich gegen 16:00 / 17:00 Uhr.

Wir legen viel Wert auf eine entspannte Atmosphäre, sodass Sie bei Bedarf auch immer die Möglichkeit haben, sich zurück zu ziehen. Da unsere Privatambulanz mitten im Stadtzentrum gelegen ist, haben Sie (und ggfs. ihre Begleitung) die Möglichkeit sich unmittelbar selbst zu versorgen. Für Obst & Snacks, warme und kalte Getränke sorgen wir. WC vorhanden.

Die Praxis befindet sich im 2. OG – wir haben leider keinen Fahrstuhl.


Parkmöglichkeiten für Anreisende mit PKW gibt es beispielsweise in der Kalandstraße oder im Parkhaus Stadtmitte. Der Bahnhof ist etwa 10 Gehminuten entfernt.

Wir hoffen, dass dies die wesentlichen Ihrer Fragen beantwortet und würden uns freuen, Sie bei uns im ADHS Diagnostik- und Behandlungszentrum begrüßen zu dürfen!